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Wohin entwickelt sich das Netz in Zukunft?

Wohin entwickelt sich das Netz in Zukunft?

Sprachgesteuerte Assistenten und künstliche Intelligenz leiten einen elementaren medialen Wandel ein. – Nachfolgender Artikel von Gerrit Eicker erschien im Motorist Ausgabe 3/17 auf den Seiten 48 bis 50: Der Motorist ist das Fachmagazin für den qualifizierten Motorgerätefachhandel.

Wohin entwickelt sich das Netz in Zukunft?

Seit vielen Jahren begleitet Sie unsere Real Digital-Serie mit ganz konkreten und praktischen Tipps durch das Netz. Diesmal soll allerdings in mehrfacher Hinsicht Zukunft auf dem Programm stehen. Dabei hilft eine Bestandsaufnahme – schließlich zeigt der Rückblick immer auch die Entwicklung und hilft beim Verständnis und Erkennen des weiter absehbaren Wandels.

Netzwerkstruktur

Natürlich wissen Sie längst, dass das Internet eigentlich geradezu in die Jahre gekommen ist: viele elementare Ideen stammen aus den 1950ern und 1960ern. Die wichtigste aus den 1970ern: das Aufteilen von Daten in Pakete und das dafür erforderliche Protokoll, das auch heute noch all diese Pakete dezentral steuert – das Internet Protocol.

Das Zusammenschließen vieler unabhängiger Computernetzwerke mit einem einheitlichen Protokoll, in Wahrheit natürlich: einheitlicher Protokolle, war der Schlüssel, um aus vielen Einzelteilen ein großes Ganzes zu schaffen, das viel mehr ist als seine Bestandteile – und heute für alle moderne Gesellschaften essentiell.

Woran sich das festhalten lässt? Schlicht daran, dass das Netz heute nicht nur fast überall ist, sondern in mehrfacher Hinsicht immer noch, in letzter Zeit sogar wieder beschleunigt wächst!

Allgegenwärtigkeit

Das Netz ist heute überall im Einsatz: 83,8% der Deutschen nutzten es in 2016. Zwei von drei Deutschen nutzten es im letzten Jahr sogar täglich – und dabei so lang wie niemals zuvor: 2 Stunden und 8 Minuten pro Tag! Das war ein Anstieg um +20 Minuten im Verhältnis zu 2015!

Noch einmal: 128 Minuten Internet pro Tag! Bei Männern 153 Minuten pro Tag. Bei 14- bis 29-Jährigen sogar 245 Minuten pro Tag! – Aber selbst die heute Über-70-Jährigen sind im Schnitt täglich 28 Minuten online.

Der wieder beschleunigte Zuwachs auf so hohem Niveau hat natürlich einen Grund, den Sie auch alle nur zu gut kennen: das Internet ist seit dem iPhone wirklich mobil und dadurch sehr einfach zugänglich geworden. In den letzten 10 Jahren haben alle Smartphones dann die Nutzung des Netzes komplett umgekrempelt.

Heute liegt das Smartphone als Zugangsgerät vorn: 66% gehen regelmäßig mit ihrem „Mobiltelefon“ online – und telefonieren kaum noch damit. Der stationäre PC dient dagegen nur noch bei 44% als Tor zum Netz, ist aber, wie das Notebook für Transaktionen weiterhin besonders wichtig. Selbst Tablets liegen mit dem klassischen Computer übrigens fast gleichauf bei 38%!

Obiges Internet Protokoll zeigt diese Entwicklung als technische Herausforderung: wegen des Zuwachses musste und muss immer noch bei vielen von der Internet Protocol Version 4 auf IPv6 umgeschaltet werden. Schlicht, weil sonst schon heute nicht mehr genügend Adressen verfügbar wären – und das in Zukunft sogar noch enger wird.

Und auch Sie selbst können das gut nachvollziehen: die Zugriffe auf Ihre Websites sollten in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sein, ganz besonders auch der mobile Anteil daran.

Kommunikation

Das Netz ist aber nicht nur allgegenwärtig sondern vor allem ein kaum noch wegzudenkendes soziales Element moderner Gesellschaften geworden. Die Verteilung der Nutzungsdauer in Deutschland ist hier mehr als eindeutig und Kommunikation war und ist für die meisten die Triebfeder gewesen, sich intensiver mit dem Netz zu beschäftigen, es überhaupt erstmals zu nutzen:

Und immer häufiger enthalten neben den direkten Kommunikationsmitteln [vor allem eMails, Chats, Social Media] auch alle anderen Nutzungsbereiche verschiedenste Kommunikationselemente:

Bei Netflix wird diskutiert, bei Spotify gemeinsam Musik entdeckt und besprochen, beim Spielen steht Kommunikation regelmäßig im Mittelpunkt – und selbst während der Suche nach Informationen oder beim Einkaufen steigt die Interaktion mit anderen Teilnehmern fortlaufend an.

Menschen sind soziale Wesen und wollen nicht nur Informationen oder Medien suchen und abrufen – sondern sich darüber auch mit anderen austauschen. Das zeigen besonders eindrucksvoll die Nutzungsdaten der Sozialen Netzwerke:

Mehr als jeder 5. Deutsche nutzt Facebook heute täglich: Mit weitem Abstand folgen Instagram [7%], Snapchat [4%] und Twitter [1%]. Und auf Wochenbasis ist es sogar ein Drittel der Deutschen, die Facebook regelmäßig einsetzen, um sich mit ihren Bekannten, Freunden und der Familie auszutauschen.

Auch diese Entwicklung sollten Sie gut nachvollziehen können: als kontinuierlichen Anstieg der rein digitalen Kommunikation neben und immer häufiger auch statt dem Telefon – oder gar dem Fax oder Brief, die mittlerweile beide bei Privatkunden aber selbst Profis enormen Seltenheitswert haben dürften.

Sprachgesteuerte Assistenten

Was diese beiden Entwicklungen zusammengenommen und schon jetzt immer besser „hörbar“ für die Zukunft bedeuten, bringt dieser Tweet von @PatSnowpaw wohl am allerbesten auf den Punkt: „Siri? Sag Cortana, sie soll Alexa ausrichten, dass Karl Klammer immer noch der geilste war.

Wir alle unterhalten uns immer häufiger mit „dem Internet“: Wir diktieren unsere eMails und Chats, wir fragen nach dem Weg zum nächsten Restaurant – oder auch zum nächsten Motoristen. Wir bitten das Netz um andere Musik, so wie wir früher die Schallplatte, dann CD, dann MP3 selbsttätig gewechselt haben.

Statt dem Suchschlitz, in den wir etwas eintippen müssen, um dann Suchergebnisse angezeigt zu bekommen, aus denen wir auswählen, fragen wir heute in natürlicher Sprache allerlei digitale, sprachgesteuerte Assistenten und bekommen immer präzisere Antworten:

Siri von Apple, Cortana von Microsoft, Alexa von Amazon und Googles Assistant sind und werden immer alltäglicher. Während Karl Klammer höchstwahrscheinlich nicht zurückkehren wird, sind natürlich auch Facebook, IBM und viele andere Technologieanbieter intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Elementarer Wandel

Das mag schon nach nichts Besonderem mehr klingen, aber tatsächlich findet gerade der nächste, elementare Wandel im Netz statt, der mindestens die Auswirkungen von Smartphones nach sich ziehen wird! Mit der Veränderung der Eingabe verändert sich nämlich obendrein auch die Ausgabe und unsere Einstellung zur immer weitergehenden, aber auch „natürlicheren“ Digitalisierung um uns herum.

Das Netz – genauer: die aktuell vier großen Anbieter – hört uns jetzt zu; manche sagen auch technisch zurecht: es hört uns ab. Es kann immer sinnvoller genau mit dem antworten, was wir hören wollen, was wir benötigen. Und nicht nur das: es kann auch Vieles im Analogen direkt für uns erledigen, umso weiter das eigene Haus, das eigene Büro und der öffentliche Raum entsprechend vernetzt sind.

Unsere Stimme ersetzt und wird noch viel weitgehender alle anderen Eingabegeräte ersetzen. – Aber was bedeutet das konkret für einen Motoristen?

Ein Motorist sollte schon heute und muss in Zukunft noch viel besser auch bei diesen Anbietern gefunden werden, denn letztendlich sind diese Fragen und Antworten sehr ähnlich einer Suchabfrage bei Google. Die eigene Website und Präsenzen in sozialen Medien müssen entsprechend angelegt sein und diese Informationen verfügbar halten.

Ein Motorist sollte sich außerdem Gedanken machen, ob die Produkte, die er verkauft, schon heute, zumindest aber morgen via Echo und Co. steuerbar sind? Und er sollte wissen, wie er das schon heute, allerspätestens aber morgen für und zusammen mit seinen Kunden einrichtet, denn genau das werden viele erwarten und bezahlen – so wie beim Mähroboter.

Künstliche Intelligenz

Schon jetzt zeigen genau diese Assistenten auch den Grad aktuell in der Breite möglicher künstlicher Intelligenz auf: sowohl die Spracherkennung als auch die Antworten der digitalen Helferlein lassen sich schon lange nicht mehr durch Programmierung sondern nur noch auf Basis neuronaler, lernender Netzwerke im Hintergrund erledigen.


“Künstliche Intelligenz“ mag weiterhin hochtrabend klingen – und noch ist eine „Unterhaltung“ mit Siri zwar machmal gewollt, häufiger aber wohl unfreiwillig komisch. Nichtsdestotrotz: das was schon jetzt möglich ist, ist enorm beeindruckend und überhaupt nicht mehr mit der Spracherkennung vor 10 oder gar 20 Jahren vergleichbar. Das Verstehen und darauf basierende Feedback noch viel weniger!

Es ist trotz allem schwer abzusehen, wie schnell und wo die weitere Entwicklung zuerst durchgreifen wird. In jedem Fall ist es überall gut hörbar keine Science Fiction mehr. Wir werden immer mehr und immer bessere digitale Assistenten haben, die nicht nur Transaktionen auf Anweisung ausführen, sondern auch im Vorfeld verhandeln können, was Geschäftsprozesse massiv verändern wird.

Als Motorist sollte man daher genau hier sehr nah am Ball bleiben, um den eigenen Kunden bei der weiteren Entwicklung sowohl der Kommunikation als auch der ganz konkreten Gartentechnik mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können.

Kommunikation ist und bleibt alles!

Wie gehabt, bleibt aber vor allem einmal mehr ein Rat: Hören Sie Ihren Kunden zu! Sprechen Sie mit Ihren Kunden auf allen Kanälen, die diese im Netz bevorzugen. Seien und bleiben Sie digital anschlußfähig.

Und akzeptieren Sie, dass gewisse Kommunikationsmedien immer weniger erwünscht und genutzt werden, dass auch digitale Medien von anderen digitalen Medien ersetzt werden. Viele dieser älteren Medien sind auch für Sie letztlich nachteilig:

Warum etwa auf einem Telefonat oder auf einer eMail bestehen, wenn doch im Facebook Messenger zum Beispiel sofort klar ist, um wen es sich beim Gesprächspartner handelt und woher dieser kommt? Wenn dort gemeinsam im Team viel schneller und präziser geantwortet werden kann?

Menschen werden trotz allem und höchstwahrscheinlich auch morgen häufig lieber mit anderen Menschen kommunizieren wollen. Genau das ist schon heute Ihre Stärke als kompetenter und flexibler Partner vor Ort. Und genau damit werden Sie auch morgen gegenüber der Fläche und auch reinen Onlinern punkten können. Seien Sie schon heute der intelligente Assistent, den sich ihre Kunden wünschen.

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In der Montagsrunde von Gartentechnik.com haben wir uns umfangreich mit dem Thema Positionierung im Netz auseinandergesetzt: Wie sich Motoristen im Internet als Dienstleister und Marke positionieren.

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